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Rente/Altersvorsorge

Tragfähigkeitsbericht der Bundesregierung: Es droht der Kollaps

Bundesfinanzminister Schäuble legte jüngst den neuesten Tragfähigkeitsbericht der Bundesregierung, bezogen auf das Jahr 2060, vor. Die Aussichten sind alles andere als rosig. Dieser Bericht setzt die demografische Entwicklung in Relation zu den zu erwartenden Steuereinnahmen und damit einhergehend zur Staatsverschuldung.

Überalterung nimmt kontinuierlich zu

Im Jahr 2013 hatte noch nicht einmal jeder dritte Bundesbürger das Alter von 65 Jahren erreicht. Dies wird sich aber in den nächsten 40 Jahren massiv ändern. Die Experten gehen dann davon aus, dass 50 Prozent der Bevölkerung 65 Jahre oder älter sein werden. Die Folgen lassen sich an einer Hand abzählen:

  • Weniger Berufstätige
  • Geringere Steuereinnahmen aus Lohn- und Einkommensteuer
  • Ausgaben der Sozialversicherungszweige übersteigen die Einnahmen deutlich

Gerade im Hinblick auf die Staatsverschuldung schrillen die Alarmglocken. Stand Ende 2015 betrug die Staatsverschuldung 68,2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Im Jahr 2060 wird sie stolze 220 Prozent erreicht haben.

Sozialversicherungen vor großer Aufgabe

Die Sozialversicherungen, insbesondere die Renten- und Pflegeversicherung, stehen dann vor einer großen, wenn nicht unlösbaren Aufgabe. Die Ausgaben werden bei der Rentenversicherung von heute 9,3 Prozent, gemessen am BIP, auf 11,3 Prozent steigen. Der ungünstigere Fall sieht sogar einen Anstieg auf 12,6 Prozent vor.

Ähnlich verhält es sich bei der Pflegeversicherung . Beträgt die Ausgabenseite heute 1,0 Prozent des BIP, wird sie sich im günstigsten Fall auf 1,8 Prozent fast verdoppeln. Im ungünstigsten Fall rechnen die Experten mit einem Anstieg auf 2,5 Prozent.

Wo liegen die Lösungen?

Minister Schäubles schwarze Null scheint sich in Rauch aufzulösen. Entweder muss der Bund künftig Jahr für Jahr rund sieben Milliarden einsparen, eine Aufgabe, der das Bundesfinanzministerium kaum gewachsen sein durfte. Alternativ müsste die Lebensarbeitszeit noch einmal angehoben werden, 70 oder 72 Jahre könnten ein Ansatz sein. Aber diese Lösung steht völlig konträr zu den Wünschen der Berufstätigen – nach wie vor lockt der selbstfinanzierte Vorruhestand.

Zinszusatzreserve zahlt sich aus

Das Ratinginstitut Assekurata, spezialisiert auf die Versicherungsbranche, sieht in der Zinszusatzreserve positive Auswirkungen. Auch wenn diese zusätzliche Abgabe auf der einen Seite die Lebensversicherer belastet, bringt sie den Unternehmen im Umkehrschluss auch Entlastung.

Die Garantiezinsanforderungen sind im Branchendurchschnitt deutlich gesunken. Im Dezember 2015 mussten die Versicherer noch 2,59 Prozent erfüllen. Dieser Zinssatz hätte ohne die Zinszusatzreserve bei immerhin 2,97 Prozent gelegen.

Reserve wächst kontinuierlich

Die Zinszusatzreserve muss seit 2011 erbracht werden. Das Volumen beläuft sich inzwischen auf rund 30 Milliarden Euro. Dem steht ein bilanziertes Eigenkapital der Versicherer von vergleichsweise nur 15 Milliarden Euro gegenüber, so Assekurata. Im Hinblick auf die Nettoverzinsung mussten die Versicherer rund 120 Basispunkte an Rendite erwirtschaften, um die Zinszusatzreserve entsprechend zu bedienen. In einem Marktumfeld mit extremen Niedrigerträgen stellt dies eine echte Herausforderung dar. Lars Heermann, Bereichsleiter Analyse der Assekurata, geht davon aus, dass im laufenden Jahr weitere rund zwölf Milliarden Euro in die Zinszusatzreserve eingebracht werden müssen, um die Leistungen an die Versicherungsnehmer erbringen zu können. Alles in allem bleibt das Zinsumfeld düster.

Lösungen ohne Garantieverzinsung tun sich noch schwer am Markt

Gesellschaften wie die Allianz oder Generali möchten sich am liebsten komplett aus dem Markt der garantieverzinsten Produkte zurückziehen. Der Branchenprimus bewirbt seine Verträge mit Garantieverzinsung nicht mehr aktiv, bietet diese nur noch auf Nachfrage an. Allerdings stehen Lebensversicherungen ohne Garantieverzinsung in der Kritik der Verbraucherschützer. Auch die potentiellen Versicherungsnehmer haben diese neue Produktschiene noch nicht in gewünschtem Ausmaß akzeptiert. Es bleibt abzuwarten, ob diese sich am Markt etablieren kann, oder die Versicherer auch bei Neuverträgen weiter in den sauren Apfel der Garantieverzinsung beißen müssen.

Da Garantien extrem teuer sind über einen langen Zeitraum von 20-30 Jahren aber auch keinen wirklichen Sicherheitsvorteil gegenüber fondsgebundenen Produkten haben, jedoch viel niedrigere Renditen, sollte man z.B. bei Abschluss einer Basisrente auf Produkte ohne Beitragserhaltungsgarantien ausweichen.
Dies gilt auch für andere Altersvorsorge-Produkte .


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