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Warum Gesundheitsfragen bei einer Krankenversicherung ?

Dienstag, 19. Mai 2009

Frage: Warum sind bei Antragstellung für eine Krankenzusatzversicherung überhaupt Gesundheitsfragen zu stellen. Wenn ich meine Krankenkasse wechsel, muss ich ja auch keine Gesundheitsfragen beantworten?
Antwort: Zunächsteinmal muss hier zwischen zwei völlig verschiedenen Systemen entschieden werden. Gesetzliche Krankenkassen sind keine privaten Unternehmen.Ihre Aufgabe besteht nicht darin, besonders viel Profit zu erzielen. Im Prinzip sollen die Krankenkassen eine medizinische Grundversorgung für jeden Bundesbürger gewährleisten. Oft entfernen sich Krankenkassen leider viel zu sehr von dieser eigentlichen Aufgabe.

Situation der gesetzlichen Krankenkassen

Die Leistungen der gesetzlichen  Krankenkassen gehen auf das Sozialgesetzbuch IV zurück. Darin ist genau geregelt, wie die Leistungen der Krankenkassen zu sein haben. Eine Krankenkasse hat die Dinge zu leisten, die sich in den gestezlichen Leistungskatalogen zu finden sind. Diese Orientieren sich an dem zur Verfügung stehenden Geld. Das zur Verfügung stehende Geld wiederum ist abhängig von den Beitragseinnahmen, welche wiederum abhängig sind von der Höhe des Beitragssatzes und der Menge der Beitragszahler, bzw. deren Einkommen. Ist die Arbeitsmarktsituation schlecht, bzw. sinken die Beitragszahler, bei gleichbleibender Anzahl an Leistungsempfängern, so müssten sich die gesunkenen Einahmen auf eine gleiche oder sogar größere Menge an Leistungsempfänger verteilen. Laut Sozialgesetzbuch muss das gesetzliche Gesundheitssystem immer soviel leisten, wie wirtschaftlich sinnvoll und möglich ist. In einer schlechten Einnahmen-Ausgabensituation kann es also sehr gut sein, dass die Beiträge einfach angepasst werden können, ist dies nicht möglich, kann die Krankenkasse einfach Leistungen streichen. Zwar kann die Krankenkasse dies nicht selbst, aber indirekt geschieht dies über eine Abänderung des Sozialgesetzes. Das Kassenmitglied hat keinen Einfluss darauf. Ein kleiner Teil der Kassenleistungen ist über die Satzung der jeweiligen Krankenkasse geregelt. Aber auch dieser Teil hat sich an der Einnahmensituation zu orientieren und kann demnach ebenso gekürzt werden.

Da eine Krankenkasse als Aufgabe nur die Bereitstellung eine Grundversorgung hat. Wobei sich die Definition hierbei auf “wirtschaftlich angemessen” bezieht und insofern stets abgeändert werden kann, braucht und darf die Krankenkasse auch keine Gesundheitsfragen stellen. Vielmehr hat in Deutschland jeder Mensch ein Recht auf eine medizinische Grundversorgung. Da die Krankenkasse hiervon sowieso niemand ausschließen kann und die Leistungen außerdem für alle gleich sind, ist eine Risikoprüfung wie in einer privaten Krankenversicherung nicht notwendig und nicht erwünscht.

Situation der privaten Krankenversicherung

Ein Krankenversicherer ist im Gegensatz zu einer gesetzlichen Krankenkasse ein “privat” agierendes auf Gewinn ausgerichtetes Unternehmen. Der Gewinn soll hierbei je nach Gesellschaftsform den Aktionären oder bei Versicherungsvereinen den versicherten Mitgliedern in Form stabiler Beiträge zu Gute kommen.

Eine private Krankenversicherung kann im Gegensatz zur gesetzlichen Krankenversicherung nicht von heute auf morgen die Leistungen kürzen oder verändern. Den versicherten Personen steht während der gesamten Vertragslaufzeit das zu, was ihm in Form der Tarif- und Versicherungsbedingungen bei Antragstellung zugesichert wurde.

Da Leistungen nicht einfach gekürzt werden dürfen und zudem über jahrzehnte zugesichert werden müssen, bleibt dem Krankenversicherer beispielsweise bei Abschluss einer Zahnversicherung nichts anderes als das Risiko zu prüfen, mit welchem er einen Vertrag eingeht. Jeder normaldenkende Mensch würde dies aus Sicht der Versicherung ebenfalls tun, wenn er sich jahrzehntelang an einen Vertrag bindet. So würde ein junges Paar, welches am überlegen ist eine Ehe einzugehen, ebenfall genau prüfen auf was sie sich einlassen. Im Gegensatz dazu kann aber ein Versicherungsunternehmen sich nicht einfach von seinem Versicherungsnehmer “scheiden” lassen, wenn dieser ihm nicht mehr gefällt. (andersherum sehr wohl).

Wäre dies anders und eine Krankenversicherung würde bei Antragstellung keine Gesundheitsfragen stellen so würden sich zunächst besonders die Personen in einer solchen Krankenzusatzversicherung einfinden, die sich daraus möglichst schnelle und hohe finanzielle Vorteile erhoffen. Die Folge wären enorme Beitragsanpassungen, denn im Gegensatz zur gesetzlichen Krankenkasse können einerseits die gesunden Personen, für die sich eine so teure Versicherung nicht mehr lohnt, sofort kündigen zum anderen würde sich eine solche Krankenversicherung für gesunde Personen auch irgendwann nicht mehr lohnen.

Da eine private Krankenversicherung im Gegensatz zur Krankenkasse aber die Leistungen nicht kürzen darf, diese sind dem Versicherungsnehmer ja vertraglich zugesichert, blieben also nur enorme Beitragsanpassungen, um die Ausgaben für die hohen Schäden der “kranken” Versicherungsnehmer decken zu können. Eine solche Krankenversicherung würde keine neuen Beitragszahler finden und schlußendlich “kaputtgehen”.

Bei einfachen Risiken, z.B. einer Zahnversicherung oder Risikolebensversicherung gibt es zwar Tarife ohne Gesundheitsprüfung, diese enthalten jedoch andere Mechanissmen, um das von der Versicherung eingegangene Risiko kalkulieren zu können.

Beispielsweise wird hier mit Wartezeiten, Summenbegrenzungen oder Höchstversicherungssummen gearbeitet. Aber trotzallem ist eine solche Versicherung ohne Gesundheitsprüfung immer teurer als ein regulärer Tarif.

Fazit:

Personen, die sich wundern, warum eine private Krankenversicherung im Gegensatz zu einer gesetzlichen Krankenkasse  Gesundheitsfragen stellen muss, vergessen oft einige wichtige Punkte. Oft sind besonders diejenigen Personen über eine Gesundheitsprüfung einer Krankenversicherung enttäuscht, die aufgrund einer Vorerkrankung nicht mehr angenommen werden.

Dies kann sehr ärgerlich sein, jedoch sollte man sich frühzeitig, solange man jung und gesund ist, um einen passenden Versicherungsschutz bemühen. Auch wenn dies unfair erscheint, so würde jeder wirtschaftlich denkende Mensch in gleicher Situation ähnlich handeln, andernfalls könnte ein privates Versicherungsunternehmen langfristig am Markt nicht existieren. Den Schaden hätten hierbei die Versicherungsnehmer, die ebenfalls bei Antragstellung Gesundheitsfragen beantworten mussten und jahrelang Beiträge gezahlt haben. Fair wäre sicher auch dies nicht.