Beitragsanpassung Arag Z100 Zahnzusatzversicherung
Montag, 15. Februar 2010Frage: Ich habe vor einigen Monat die mir zusagende und leistungsstarke Zahnzusatzversicherung Arag Z100 abgeschlossen. Nun erhalten ich eine Mitteilung, dass sich der BEitrag meiner Zahnzusatzversicherung um über 6 Euro zum 1.4.2010 erhöhen soll. Dies finde ich doch echt unverschämt. Können Sie mir eine Zahnzusatzversicherung empfehlen, die stabiler ist im Beitrag und nicht diese hohen Anpassungen vorsieht?
Antwort: Es ist tatsächlich eine ziemliche Erhöhung, die die Arag Z100 da zum 1.4.2010 realisieren muss. Tatsächlich erscheint dies aber auch deshalb so hoch, weil sich der Beitrag auf einen Schlag so stark erhöht. Seit 2005 wurde der Beitrag der Arag Z100 schließlich nicht einmal angepasst.
Nun geschieht eine Anpassung nicht einfach so, der Versicherer darf nicht einfach nach eigenem Belieben die Beiträge erhöhen (auch nicht einfach senken). Ein unabhängiger Treuhänder und Aktuar entscheidet, wann eine Zahnzusatzversicherung ihre Beiträge anpassen darf und sogar muss. Dies wird beispielsweise dann der Fall sein, wenn abzusehen ist, dass sich die Ausgabensituation in der Art entwickeln wird oder schon entwickelt hat, dass die Einnahmen durch die Versicherungsbeiträge der Versicherten, die langfristigen Ausgaben nicht mehr decken können.
Der Grund warum die Ausgaben steigen können ist vielschichtiger Natur: Die einfachste Begründung ist eigentlich, dass die Ausgaben durch die allgemeinen Preissteigerungen, also teurere Arzthonorare, Löhne, Gehälter, Materialkosten usw. steigen. Die allgemeine Inflation liegt bei 3%, im Bereich der Medizin, aufgrund des medizinischen Fortschritt auch deutlich mehr(eher bei bis zu 6-7%). Zudem legen die Versicherten heute vielmehr Wert auf hochwertigen und ästhetisch aussehenden Zahnersatz, was ein zusätzlicher “Preistreiber” ist, denn Qualität hat nun mal ihren Preis, ist aber gewünscht.
Ein weiterer Faktor ist die höhere Lebenserwartung der Versicherten. Werden die Versicherten insgesamt älter als vor einigen Jahren noch, so gehen diese durchschnittlich natürlich öfter zum Zahnarzt, benötigen öfter Zahnbehandlung und Zahnersatz. Da vor allem für Ältere die Kosten für diese Versorgungen teurer sind als für Jüngere hat dies natürlich einen zusätzlichen Einfluss auf die Kostenentwicklung einer Zahnzusatzversicherung. Die durchschnittliche Lebenserwartung steigt natürlich nicht sprunghaft, doch ist diese in den Sterbetafeln aufgeführt, anhand derer Kranken (und auch Lebensversicherer)-Versicherer zu kalkulieren haben. Diese Sterbetafeln werden nicht jedes Jahr sondern alle paar Jahre erneuert. Bei der Umsetzung dieser neuen Kalkulationsgrundlage kann es natürlich zusätzlich zu einer sprunghaften Anpassung kommen. Dagegn wehren kann sich ein Versicherer nicht, da in Deutschland strenge Kalkulationsgrundsätze zu beachten sind.
Die Arag Z100 Zahnzusatzversicherung bildet Alterungsrückstellungen, um genau diese steigenden Kosten im Alter vorher anzusparen. Verändert sich aufgrund der steigenden Lebenserwartung die Kalkulationsgrundlage so muss natürlich neu kalkuliert werden. Die Folge sind also steigende Beiträge. Da jedoch seit 5 Jahren keine Beiträge angepasst wurden, kommt die jetzige Erhöhung auf einen Schlag, die Erhöhung bildet also nicht die Kostensteigerungen von nur einem Jahr ab.
Ein weiterer Einflussfaktor sind die Leistungen der Gesetzlichen Krankenkassen: Ein reformsicherer Tarif wie die Arag Z100 Zahnversicherung muss stets das Wegfallen von Kassenleistungen im Bereich des Zahnersatzes kompensieren. Fallen hier Leistungen aus dem Gesetzlichen Katalog weg oder passt die GKV einfach die Festzuschüsse an heutige Preise nicht an, so muss die Arag Z100 Zahnversicherung natürlich einen noch größeren Anteil an der Gesamtrechnung erstatten. Mehr als bei Auflage des Tarifs einkalkuliert waren.
Die Alternative wären natürlich stabilere Beiträge, dafür würde ein solcher Tarif im Leistungsfall dann einfach weniger erstatten, genau dies ist natürlich nicht gewünscht, wenn man einen solchen Hochleistungstarif abschließt.
Lohnt es sich die Zahnzusatzversicherung zu wechseln?
Nicht wirklich, jede Zahnzusatzversicherung kalkuliert mit ähnlichen Sterbetafeln und durchschnittlichen Schäden (Kosten für Zahnersatz) pro Kopf. Man kann also davon ausgehen, dass jede Zahnzusatzversicherung die Beiträge von Zeit zu Zeit erhöhen muss. Aus diesem Grund seine Zahnzusatzversicherung zu kündigen, um sich dann wegen ein paar Euro heutiger Ersparnis bei einer anderen Zahnzusatzversicherung zu versichern, wäre sehr kurzfristig gedacht. Denn genauso gut könnte die neue Zahnzusatzversicherung ihre Beiträge nach 2 Jahren wieder anpassen und ist dann teurer als die vorherige usw. Gleichzeitig würde einen selbst eine solche Anpassung umso stärker treffen, wenn man sowieso aufgrund eines höhreren Eintrittsalters schon einen höheren Beitrag zu zahlen hat. Denn schließlich müsste man die insgesamten durchschnittlichen Zahnersatzkosten in einem viel kürzeren Zeitraum “zusammensparen” bzw. einzahlen.
Beitragsanpassungen sind nicht zu verhindern
Im Gegensatz zur Gesetzlichen Krankenkasse kann eine gute private Krankenzusatzversicherung die Leistungen, die sie versichert nicht einfach streichen oder kürzen. Die einzige Variabel in dieser Kalkulation sind also die Beitragseinnahmen. In der Gesetzlichen Kranenkasse sind weder die Leistungen noch die Beiträge, die zu zahlen sind sicher. In der privaten Krankenversicherung sind zumindest die Leistungen sicher.
Eine Zahnzusatzversicherung, die vorgibt, die Beiträge niemals erhöhen zu müssen, kann dies nur dann, wenn sie gleichzeitig auch niemals die Leistungen anpasst. Setzt sie beispielsweise ein eigenes Preis-Leistungsverzeichnis als Grundlage ihrer Erstattung fest, so bringt einem im Leistungsfall als Kunde ein günstiger Beitrag nichts, wenn man die durchgeführte Zahnersatzmaßnahme nur in der Höhe erstattet bekommt, die sie möglicherweise vor 10 Jahren gekostet hätte. Zudem hat jede Zahnzusatzversicherung mit der steigenden Lebenserwartung zu kalkuieren, weshalb keine Zahnzusatzversicherung ohne Beitragsanpassungen auskommen dürfte. Es sei denn, sie wäre schon heute viel zu teuer und sammelte mehr Geld ein als sie jemals an Leitstungen erbringt.
Wenn gleich die Beitragsanpassung der Arag Z100 Zahnzusatzversicherung für den Einzelnen kurzfristig etwas ärgerlich sein mag, langfristig führt dies zu einem stabilen und lange existierenden Beitrag.
Auch ohne Zahnzusatzversicherung wäre man schließlich den steigenden Kosten durch die eigene steigende Lebenserwartung unterworfen. Wer also selbst seine Zahnersatzkosten kalkuliert, müsste auch diese Faktoren mit einbeziehen und dementsprechend mit der Zeit immer mehr Geld zurücklegen als noch vor einem Jahr.
Tarife wie die Continentale CEZP werden vermutlich beitragsstabiler sein. Jedoch aufgrund dessen, dass sie sowohl Leistungsbeschränkungen innerhalb der ersten Jahre vorsehen, sowie generelle Beschränkungen, was die Anzahl an Implantaten angeht (max. 6 pro Kiefer). Da die Arag Z100 keine langjährigen Beschränkungen vorsieht, muss dieses hohe Maß an Leistung auch finanziert werden. Aber auch eine Continentale CEZP Zahnversicherung wird von jahr zu Jahr mal die Beiträge erhöhen müssen, da die medizinsche Inflation jeden Tarif trifft.